Bewertung potenzieller Versagensszenarien
Die Auslegung und Bewertung druckführender Systeme ist ein zentrales Aufgabenfeld für Prozesssicherheitsingenieure – insbesondere im Kontext der Störfallverordnung (12. BImSchV). Ein wesentliches technisches Konzept in der Bewertung potenzieller Versagensszenarien ist das sogenannte Leck-vor-Bruch-Kriterium.
Laut DECHEMA ist die Ausbildung von Leckagen – besonders im inneren Bereich eines Wärmeübertragers – nicht vollständig auszuschließen, selbst bei ordnungsgemäßer Auslegung. Daher ist es in der Praxis üblich, konservative Annahmen für die Leckfläche zu treffen.
Laut DECHEMA ist die Ausbildung von Leckagen – besonders im inneren Bereich eines Wärmeübertragers – nicht vollständig auszuschließen, selbst bei ordnungsgemäßer Auslegung.
Relevanz für Wärmetauscher in der Prozessindustrie
Wärmetauscher mit zwei druckbeaufschlagten Medienräumen – zum Beispiel Rohr- und Mantelseite – stellen besondere Anforderungen an die Sicherheitsbetrachtung. Eine Leckage zwischen den Druckräumen oder nach außen kann zum Austritt gefährlicher Medien führen, mit potenziell erheblichen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.
Gerade in der Bewertung bei Risikoanalysen wie HAZOPs oder bei der Auslegung von Sicherheitsventilen oder Berstscheiben für das Szenario “Innenleckage des Wärmeübertragers” spielt die anzunehmende Querschnittsfläche der Leckage eine entscheidende Rolle. Wird Sie zu groß gewählt, werden Szenarien möglicherweise zu konservativ bewertet und Sicherheitseinrichtungen überdimensioniert und damit teuer. Wird sie zu klein gewählt besteht ein signifikantes Sicherheitsrisiko.
Die Bewertung der Leckagegröße erfordert somit Sachverstand und Prozessverständnis.
Grundlagen des Leck-vor-Bruch-Kriteriums
Das Leck-vor-Bruch-Kriterium beschreibt das sicherheitstechnisch erwünschte Versagensverhalten von druckbeaufschlagten Komponenten: Im Schadensfall soll es nicht zu einem plötzlichen, katastrophalen Bauteilversagen kommen. Stattdessen soll ein kleines, detektierbares Leck entstehen, bevor es zu einem instabilen Risswachstum und somit einem vollständigen Bruch der Komponente kommt.
Diese Forderung basiert auf bruchmechanischen Analysen. Entscheidend ist, dass die kritische Risstiefe (lokales Versagen mit Leckbildung) erreicht wird, bevor die kritische Risslänge (globales, instabiles Bauteilversagen) überschritten wird. Diese Differenz bietet den notwendigen Zeitpuffer, um technische und organisatorische Gegenmaßnahmen einzuleiten – z. B. die Abschaltung der betroffenen Anlage oder die Aktivierung von Entlastungseinrichtungen.
Für Prozesssicherheitsingenieure ist dieses Kriterium nicht nur eine technische Vorgabe, sondern eine entscheidende Grundlage für die Erstellung von Freisetzungsszenarien in der Sicherheitsbetrachtung. Nur wenn all diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann das Leck-vor-Bruch-Kriterium als wirksam angenommen werden.
Anwendung in Auswirkungsbetrachtungen und Störfallszenarien
In sicherheitstechnischen Bewertungen, insbesondere bei Anlagen mit erweiterten Pflichten nach 12. BImSchV, ist es essenziell, realistische Freisetzungsszenarien zu formulieren. Dabei spielt das Leck-vor-Bruch-Kriterium eine doppelte Rolle:
1. Begrenzung der Freisetzungsfläche: Durch die Annahme eines stabilen Lecks kann die Freisetzungsfläche konservativ, aber plausibel angesetzt werden (z. B. 20 mm²). Dies beeinflusst maßgeblich die Höhe des freigesetzten Massenstroms und damit die Dimensionierung der Sicherheitseinrichtung.
2. Berücksichtigung technischer Schutzmaßnahmen: Ein detektierbares Leck ermöglicht es, das Eingreifen technischer Maßnahmen (z. B. Druckentlastung, Absperrung, Abschaltung) im Szenario zu berücksichtigen. Dies kann das Szenario als „Dennoch-Störfall“ statt „exzeptioneller Störfall“ klassifizieren – ein entscheidender Unterschied im Hinblick auf Schutzabstände und Genehmigungsanforderungen.
Laut dem Statuspapier „Auswirkungsbetrachtungen“ (2023) liefert die Berücksichtigung des Leck-vor-Bruch-Kriteriums eine realistische Grundlage für Freisetzungsannahmen. Sie stellt eine sicherheitsgerichtete Differenzierung zwischen technischen Restrisiken und hypothetischen Maximalszenarien dar.
Fazit: Technische Sicherheit durch frühe Leckageerkennung
Für Prozesssicherheitsingenieure ist das Leck-vor-Bruch-Kriterium mehr als ein technisches Prinzip – wenn anwendbar ist es ein praxisrelevantes Werkzeug zur Risikobegrenzung. Es ermöglicht:
- Realistische und begründbare Szenarien
- Plausible Quelltermannahmen für Ausbreitungsmodelle
- Vermeidung von Überkonservatismus, der zu überhöhten Anforderungen führen kann
Die Anwendung dieses Kriteriums nach sorgfältiger Anwendungsprüfung trägt wesentlich dazu bei, die Sicherheit in der Prozessindustrie realistisch, nachvollziehbar und regulatorisch belastbar zu bewerten.
Quellen:
- DECHEMA (2012): Quelltermberechnung bei störungsbedingten Stoff- und Energiefreisetzungen in der Prozessindustrie
- DECHEMA (2023): Auswirkungsbetrachtungen in sicherheitstechnischen Bewertungen – Statuspapier
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Carsten Schmidt, M.Sc.
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